Der Flughafen – ein unternehmerischer „Sozialfall“?

[Samstag, der 1. August – Allgäuer Zeitung | Allgäuer Rundschau]

Gerhard Pfeifer, Gründungsgesellschafter der ersten Stunde, in 
einem Artikel von Helmut Kustermann über die Beteiligung von Kommunen an einer Grundbesitzgesellschaft.

 

Die meisten Kommunen haben bereits entschieden, sich an dieser Hilfe für den finanziell angeschlagenen Airport zu beteiligen.

[Helmut Kustermann]

 

Finanziell angeschlagener Airport?

Im Verfahren vor dem bayerischen Verwaltungsgerichtshof (2015) gegen den Planfeststellungsbeschluss des Luftamtes Südbayern, stimmten das Luftamt, die Landesanwaltschaft und die drei Richter darin überein, dass es für den Vorhabenträger – der Allgäu Airport GmbH & Co. KG – keine unüberwindbaren finanziellen Schwierigkeiten in Bezug auf die Verwirklichung des Airport-Ausbaus und der Weiterführung des Flugbetriebs gäbe. Hätte insbesondere das Gericht dies nicht so gesehen, dann wäre es ihm rechtlich nicht möglich gewesen, die Klage gegen den Ausbau abzuweisen. Die Zusicherung des Freistaats Bayern über einen Zuschuss von 10 Millionen Euro und sieben Gründungsgesellschafter mit einem jährlichen Umsatz von über fünf Milliarden Euro erschienen den Richtern hinreichend zur Realisierung des Vorhabens.

Berücksichtigt man sämtliche geplanten baulichen Erweiterungen und fasst sie in Zahlen, so kommt man auf einen dreistelligen Millionenbetrag, der in den kommenden Jahren aufzubringen ist. Das Prognosegutachten von Intraplan für das Jahr 2025 erwartet bei ausgebautem Zustand ein Passagieraufkommen von 2,8 Millionen jährlich. In den verkehrsreichsten Samstagen im Sommer sind bis zu 16 Flugbewegungen in der Stunde prognostiziert. Die Kosten der dafür erforderlichen Infrastruktur hätten dem Airport schon vor Beginn des Planfeststellungsantrags bekannt sein müssen und damit einhergehend wäre ein valider Finanzierungsplan notwendig gewesen.

Vor dem Hintergrund anstehender Investitionen und der faktischen Wirtschaftskraft der Gesellschafter, bei einem Schuldenstand von ca 15 Millionen Euro, von einem „finanziell angeschlagenen Airport“ zu sprechen ist Overstatement in Bezug auf den Schuldenstand und Understatement bezüglich der Wirtschaftskraft der Gesellschafter. Zudem sollen mit den 8,2 Millionen Euro von den Städten und Landkreisen keine Schulden getilgt werden. Der Airport würde demzufolge weiterhin „finanziell angeschlagen“ bleiben.

Es kann nicht die Aufgabe von Städten und Landkreisen sein, Risikokapital für das Abenteuer Regionalflughafen an wirtschaftlich erfolgreiche mittelständische Unternehmen zur Verfügung zu stellen – auch nicht mittels der Beteiligung an einer Grundbesitzgesellschaft.

Allgäu-Airport → Dossier

In diesem Sinne:

Dossier_5

 

Nördliche Flächen der Start-/Landebahn (ca. 10 ha)

Südliche Fläche der Start-/Landbahn (ca. 18 ha)

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